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Wie man dank Polyrhythmik den perfekten Beat bekommt

Wie man dank Polyrhythmik den perfekten Beat bekommt

Erweitere deinen Beatmaking-Horizont.

Wir alle kennen das Gefühl: der 4/4-Takt wird auf die Dauer irgendwie langweilig. Das Gefühl, das sich einstellt, wenn man schlicht und ergreifend zu viele Songs mit dem gleichen trottenden Takt gehört hat. 1-2-3-4 1-2-3-4 1-2-3-4 1-2-3-4 …

Versteh mich nicht falsch, ich bin absoluter Techno-Fan und daher dem 4-4-Takt generell wohlgesinnt.

Viel Musik ist aus gutem Grund auf dem 4/4-Takt aufgebaut: Er ist uns vertraut und es lässt sich leicht zum ihm tanzen. Es kann auch schonmal vorkommen, dass man sich fragt, wie man überhaupt einen Song schreiben kann, der keinen 4/4-Takt hat!

Doch ich bin mir sicher, dass du bereits einen Track mit diesem besonderen Etwas gehört hast, diesem besonderen Groove, der ihn von anderen Tracks abhebt.

Tja, FreundInnen, das Ganze nennt sich Polyrhythmik!

Durch Polyrhythmik werden deine Tracks im Handumdrehen interessanter. Ich zeige dir hier, wie Polyrhythmik klingt und wie du sie für deine Produktionen einsetzt.

Poly-was?!

Polyrhythmik ist am Anfang nicht ganz so leicht zu verstehen. Doch keine Sorge, ich erkläre das Ganze mal genauer.

Polyrhythmik bedeutet, dass mehrere unterschiedliche Rhythmen zur gleichen Zeit vorhanden sind. Zusammen kreieren sie einen insgesamt dynamischeren Rhythmus.

percussion_1200x627Am besten legst du damit bei deinem Drum-Beat los, z.B. indem du deine Rimshot und Kick-Drum versetzt (ich zeige dir gleich, wie du das anstellst).

Doch sobald du die Polyrhythmik besser beherrschst, kannst du sie überall in deinem Track anwenden – wie für deine Basslines oder Leads -, was sich prima dazu eignet, deinen Produktionen mehr Leben einzuhauchen.

Wie DAW-Raster funktionieren

Der erste Schritt beim Erzeugen von Polyrhythmik besteht darin, den Rasterwert in deiner DAW-Software zu verändern. Und um das zu bewerkstelligen, musst du zuerst wissen, wie das Raster funktioniert!

DAW-Raster sind simpel – sie sind die Linie, auf der du deine MIDI-Noten schreibst.

Öffne eine Sitzung in deiner DAW und wähle eine MIDI-Spur aus. Öffne den MIDI-Editor (der wird, je nachdem welche DAW du verwendest, auch Pianorolle oder Arranger genannt).

grid

Die ganzen Zahlen am oberen Ende deines MIDI-Editors sind die Takte 1, 2, 3, 4 usw.

Die Unterteilungen des Beats sind dazu da, einen Ton zu platzieren: 1.1, 1.2, 1.3, 1.4 usw.

Die erste Zahl ist der Takt, die zweite Zahl ist der Beat. Zum Beispiel: 2.3 ist der dritte Beat im zweiten Takt.

Alles klar? Super!

Durchs DAW-Raster fallen

Dann verändern wir mal das Raster. Die folgenden Beispiele sind in Ableton und Bitwig, doch das Ganze funktioniert genauso auch in den meisten anderen DAWs.

Falls du Ableton Live verwendest, kannst du einfach irgendwo in deinem MIDI-Editor auf die rechte Maustaste klicken.

Wahle ‘Triplet Grid’ (Triolenraster) aus. Dadurch wird dein Raster in 24 statt 16 Takte eingeteilt.
Ableton-Triplet_lpIn Bitwig erreichst du das gleiche Ergebnis mit der Rasterdivision (grid division) am unteren Ende des Arrangers. Ändere ‘st’ zu ‘3t’.

BitWig-Triplet_lp2

Indem du das Raster in 24 Takte aufteilst, kannst du diese durch 3 teilen. Jetzt kannst du Polyrhythmen mit Triolen schreiben: 3/2, 2/3 und 4/3. Super, um interessantere Beats zu erschaffen.

Probier’s mit den folgenden 3 Polyrhythmen

Du hast dein Raster für Triolen vorbereitet. Fantastisch. Dann schreiben wir mal ein paar krachende Polyrhythmen!

Die folgenden Beispiele für Polyrhythmen wurden mit der Rim gegen die Kick-Drum erstellt. Du kannst so ziemlich jedes Drum-Kit dazu nehmen. Ich habe das Kit-Core 707 in Ableton Live genommen.

  1. 3 gegen 2
    Lege in einem Takt 3 Rimshots gegen 2 Kick-Drums. So sollte das aussehen:
    3-2Und so klingt das Ganze, wenn 4 Takte davon gespielt werden:
  2. 2 gegen 3
    Dreh das Ganze um und lege 2 Rimshots gegen 3 Kicks. So sieht das dann aus:2-3Und so hört es sich an, wenn es 4 Takte lang geloopt wird:
  3.  4 gegen 3
    Jetzt versuch’s mit 4 Rimshots gegen 3 Kicks in einem Takt. So sollte es aussehen:
    4-3Und so sollte es klingen, wenn es 4 Takte lang geloopt wird:

In allen Beispielen fällt auf:

  • Die untere Zahl ist dein primärer Puls, dein Hauptbeat. Wenn du einen ¾-Takt benutzt, ist dementsprechend 3 dein Puls.
  • Die einzige Stelle, an der der Rimshot und die Kick gleichzeitig erklingen, ist der Anfang eines neuen Takts (wenn das Muster von vorne beginnt).
  • Jedes Set an Elementen ist gleich weit voneinander entfernt.

Trainiere deine Ohren anhand von Beispielen

Polyrhythmik ist ziemlich komplex, daher solltest du alles so einfach wie möglich halten und eher aktives Zuhören als zu viel Mathe zu Rate ziehen.

Indem du deine Ohren für Polyrhythmen trainierst, lernst du das Konzept schneller als durch ewiges Büffeln der Theorie.

Polyrhythmen sind nichts Neues, sondern ganz im Gegenteil eine alte Kunstform. Nicht-westliche Musik strotzt nur so vor wundervoller Polyrhythmik.

Der nigerianische Musiker Fela Kuti zum Beispiel hat häufig westafrikanische Polyrhythmen benutzt:

Hör dir die Congas an. Und dann die Maracas. Anschließend die Gitarre. Und zu guter letzt den Synthesizer.

Was fällt dir auf? Bei einem Instrument kannst du 1-2-3 zählen, bis sich das Muster wiederholt. Beim nächsten kannst du 1-2-3-4 zählen, bis das Muster von vorne losgeht. Und das Ganze ergibt nach wie vor Sinn zusammen.

Auch in Prog Rock und Metal häufig Polyrhythmen benutzt. Hör dir an, wie sich in folgendem Song von Animals as Leaders verschiedene Instrumente voneinander abheben:

Und auch im Techno gibt es polyrhythmische Muster!

Hör dir die Polyrhythmen (die ‘Bloops’ des Synthesizers und die Hi-Hats) in diesem Track von Donato Dozzy an:

Überrasche deine ZuhörerInnen

Alle kennen einen 4/4-Takt, zumindest in der westlichen Musik. Polyrhythmen werden hier um einiges weniger eingesetzt.

Probiere es daher damit aus, sie in deine Produktionen einzubauen und dich so von Anderen abzuheben. Öffne deine Ohren und Tracks für Polyrhythmen.

Erstens schärfst du somit deine Fähigkeiten, was das aktive Zuhören anbelangt, und du erweiterst dein musiktheoretisches Wissen.

Zweitens machst du deine Produktionen so um einiges interessanter – sowohl für dich beim Produzieren als auch für deine ZuhörerInnen.

Bei der Musik geht es sowohl um vorhersehbare Muster als auch darum, deine ZuhörerInnen zu überraschen.

Mache deine Rhythmen poly und lass den Rest hinter dir.

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Annika Wegerle

Annika liebt verquere Geschichten und schillernde Figuren. Sie schreibt über Musik und alles, was sie sonst in die Finger bekommt.

@Annika Wegerle

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