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5 Wörter, die die nächsten 10 Jahre der Musik definieren werden

5 Wörter, die die nächsten 10 Jahre der Musik definieren werden

Nur der Wandel ist garantiert.

Musik ist eines der am heftigsten umstrittenen Themen der Gegenwart.
In der Diskussion tauchen immer wieder die gleichen Begriffe auf: Streaming, Playlists, Vertrieb, Sampling, Plattformen, Tech. Und noch viele weitere Themenbereiche, die in den Vordergrund gerückt und dann bis zur Unkenntlichkeit auseinandergenommen werden.

Doch wenn diese Begriffe die gegenwärtige Debatte dominieren, welche werden dann die Debatten der Zukunft definieren? Und noch wichtiger – inwiefern werden sie dazu beitragen, wie die Zukunft klingt?

Musik ist nicht statisch. Sie ist stets in Bewegung, wächst und verändert ihre Form. Und auch die Konversation über Musik verändert sich täglich, manchmal sogar innerhalb von Sekunden.

Die Wörter, die ich hier zusammengefasst habe, mögen zwar nicht immer in genau dieser Form auftauchen, doch ich garantiere, dass sie sich noch für die nächsten 10 Jahre im Zentrum der Diskussion über Musik befinden werden.

1. Neuentdeckungen

Nichts ist besser, als etwas Neues zu hören. Du weißt es einfach, wenn dieser zweite Timbre einsetzt. Oder wenn die zweite Swing-Signature einer Drum-Spur losgeht.

Diese Kriterien hat man stets im Kopf und wenn ein neuer Song alle erfüllt, fühlt sich das unfassbar gut an.

Das Ganze nennt sich Neuentdeckung und ist derzeit ganz vorne mit dabei in der Musikindustrie. Neuentdeckungen werden immer mehr zur Frage nach dem, ‘was deine Ohren findet’ als ‘etwas für deine Ohren finden’. Ob das nun gut oder schlecht ist, das Ritual ist dabei, sich zu verändern, hauptsächlich aufgrund von Diensten, die lernenwas dir gefällt, und dir, basierend auf deinem Geschmack, andere Musik vorschlagen.

Vorgeschlagene Neuentdeckungen sind toll. Sie fungieren wie ein persönlicher Platten-Shopper, der dir jede Woche ein paar neue Platten nach Hause bringt.

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Ich weiß, was du sagest: “Inwiefern definiert das die Zukunft? Das gibt es doch schon längst”. Ich erkläre das mal.

Im Grunde läuft alles auf Benutzerfreundlichkeit und passives Zuhörenhinaus. Wenn genau der Song, den du hören möchtest, abgespielt wird, ohne dass du dafür etwas tun musst, ist es einfacher, ihn laufen zu lassen, ohne darüber nachzudenken – und einfacher, nicht tiefer zu graben, um mehr über die Band oder den Sound herauszufinden.

Es ist genauso wichtig zu wissen, was man mag, wie zu wissen, was man nicht mag.

Entdeckung ist der erste Schritt hin zur Inspiration. Zu wissen, was man mag, braucht Zeit. Schon seit 15 Jahren bin ich stets auf der aktiven Suche nach neuer Musik und weiß nach wie vor nicht, was mit gefällt. Und ich hoffe, das wird immer so bleiben. Es gab da durchaus ein paar Phasen, in denen ich nicht so ganz ich selbst war (wie z.B. meine kurze Phase als Slipknot-Fan, als ich ein Teenager war).

Und dann dreht sich die Diskussion um das Bewusstsein der ZuhörerInnen. Das Element, über das du beim Zuhören die Kontrolle bewahren kannst, bist du. Selbst wenn du Neuentdeckungen auf dem Silbertablett serviert bekommst, solltest du stets alles in Frage stellen. Falls dir etwas gefällt, frage dich wieso. Nimm dir Zeit, mehr über die Geschichte der Musik, die dir gefällt, iN Erfahrung zu bringen. Ansonsten sind wir auf ewig dazu verdammt, auf einer oberflächlichen Welle aus hochpolierten Neuentdeckungen zu surfen.

Hey Spotify, kannst du mir bei Gelegenheit auch mal etwas Furchtbares empfehlen? Nur so zur Abwechslung. Danke.

Passives Zuhören ist gefährlich. Zuhören ist immer gut, doch nur aktives Zuhören sorgt dafür, dass die Dinge vorangetrieben werden. Die Zukunft der Musik hängt davon ab, welche langfristigen Auswirkungen die automatisierte Entdeckung neuer Musik auf die Inspiration und Kreation hat.

2. Dogma

Dog·ma /Substantiv - Anspruch der absoluten Gültigkeit, Wahrheit erhebende Aussage, Lehrmeinung

Musik besteht stets aus einer Reihe an Entscheidungen – was du dir anhörst, wie du sie dir anhörst und was du benutzt, um sie dir anzuhören.

Welche Möglichkeiten haben wir da derzeit?

Nun ja, unendlich viele. Und je mehr Tools weiterentwickelt werden und bestimmte Prozesse weiter wachsen, desto größer wird die Qual der Wahl.
Doch leider bedeutet diese Zukunft herzlich wenig. Zumindest im Moment. Die Musikproduktion wird häufig durch eine zu Enge Sichtweise beschränkt – dem Glauben, dass es einen einzigen ‘richtigen’ Weg gibt, etwas zu tun. Unser Dogma setzt ein, noch bevor wir das, was wir verwerfen, ausprobieren. Doch seien wir mal ehrlich – an einer Technik festzuhalten, die man 1998 gelernt hat, und alles andere zu missachten, ist eine ziemlich naive Sicht- und Vorgehensweise.

Die Zukunft klingt gut, oder? Unendliche Möglichkeiten, der Luxus, jedes Tool im Handumdrehen zur Verfügung zu haben, und das Potential der Grenzenlosigkeit!

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Doch das Ganze ist nichts Neues. Ich selbst muss mir da an die eigene Nase fassen. Man findet heraus, wie etwas funktioniert, und dann geht man davon aus, dass es nur genau so gemacht werden kann und nicht anders. Solche Ansichten gibt es überall. Wenn man sich nur 5 Minuten auf einem Musik-Diskussionsforum rumtreibt, wird deutlich: Dogmen führen nicht nur zu Meinungsverschiedenheiten, sondern bringen einfach nur Frust und Wut. Tatsache ist:

Die Musikproduktion krankt am Dogma.

Meinungen bezüglich bestimmter Techniken sollten offen, fließend und anpassungsfähig sein. Schmeiß deine eigene Definition dessen, was ‘am besten’ ist, nicht über Bord, doch überdenke sie am laufenden Band. Klar kann man richtig gut werden, wenn man stets mit dem Strom schwimmt, doch die anderen eben auch. Pioniere sind diejenigen, die häufig vom vorgegebenen Pfad abweichen, um alle Möglichkeiten auszukundschaften.

Wachstum und Bequemlichkeit vertragen sich nicht.

All die Möglichkeiten, Tools und Ressourcen, die sich am Horizont abzeichnen, nützen recht wenig, wenn wir nicht die Scheuklappen ablegen und das kollektiv kreierte Potential erkunden. Ich hoffe, dass das Wort Dogma die nächsten 10 Jahre der Musik definiert. Doch nur im dem Sinne, dass alle es hinter sich gelassen haben.

3. Zugänglichkeit

Kreativität ist kein Privileg, sondern ein Recht. Sollte es dementsprechend nicht so sein, dass alle Zugang zu allen Tools haben? Das Konzept ist simpel und noch dazu eines, das in der Musikbranche eigentlich selbstverständlich sein sollte. Doch dem ist nicht so. Noch nicht.

Langsam aber sicher lösen sich die Fesseln, die uns die Unzugänglichkeit auferlegt hat.

Technologische Innovationen haben kostspieliges Equipment und diverse Arbeitsabläufe digitalisiert und im Zuge dessen zugänglicher gemacht. Man bedenke die unfassbare Menge an kostenlosen VSTs, die es gibt. Was früher im Laden 2000€gekostet hat, gibt es jetzt für all jene, die eine Idee und eine DAW haben, vollkommen kostenlos. Plattformen für den Vertrieb und die Veröffentlichung von Musik wie LANDR und SoundCloud haben den Mittelmann überflüssig gemacht und geben MusikerInnen die Kontrolle über die Promotion ihrer Musik zurück.

Dabei darf der Laptop nicht zu kurz kommen – dieses eine kleine Ding, das ohne Zweifel mehr für die Zugänglichkeit der Musikproduktion geleistet hat als alles Andere. Studios, deren Bau und Instandhaltung früher Millionen gekostet hat – ein Umstand, der dazu geführt hat, dass Mietgebühren tausende von Euros betragen haben – passen jetzt problemlos in den Rucksack. Der Laptop und die DAW haben die Musik auf eine Weise demokratisiert, wie wir es uns vor 20 Jahren nicht hätten vorstellen können.

Was für eine tolle Zeit, um auf der Welt zu sein.

Ständig tauchen neue Alternativen auf, überall ist Musik. Die einstmals dunkle Kunst des Masterings erfreut sich dank einiger Fortschritte im Hinblick auf seine Zugänglichkeit einer kompletten Neudenkung. Informative Online-Inhalte gibt es ohne Ende. Produktions- und Mixing-Tutorials haben die Lernkurve selbst für die kompliziertesten Verfahren entschärft. Apps, die dir beim Spielen zuhören und dir Feedback in Echtzeit geben, sind nicht mehr länger der Stoff aus Science-Fiction-Filmen. Es gibt sogar eine Roboter-Gitarre, die sich selbst stimmt. Ihr steiler Preis (etwa 4000$ USD) macht sie zwar nicht gerade sehr zugänglich, doch ich wette, dass eine günstigere Version bereits in der Mache ist.

Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass der Trend hin zur Zugänglichkeit irgendwann abreißt. Die allgemeine Kompetenz im Bereich der Musikproduktion nimmt immer weiter zu, Tools und Ressourcen sorgen für mehr Zeit zum Musikmachen und letzten Endes wird mehr Musik produziert. Und wenn der Trend so weitergeht, dann ist die Musikproduktion in Zukunft sogar noch zugänglicher. Und das bedeutet: noch mehr vom Mehr.

4. Gemeinschaft

Anhand von Musik schafft man Gemeinschaft, nicht nur auf Konzerten, sonder auch, indem man mit seinen Freunden darüber redet. – David Byrne

Anhand von Musik schafft man Gemeinschaft, nicht nur auf Konzerten, sonder auch, indem man mit seinen Freunden darüber redet. – David Byrne

Deine Community ist dein Stamm. Sie liefert Inspiration, Betreuung, Zusammenarbeit. Doch derjenige Teil von Gemeinschaft, der sich stark im Wandel befindet, ist die Interaktion von Angesicht zu Angesicht.

Versteh mich nicht falsch, all diese späten Abende, an denen man mit Freunden hitzig darüber diskutiert, welches Album der Cocteau Twins das beste ist, sind EXTREM wichtig. Doch Gemeinschaft wurzelt nicht mehr so im physischen Raum, wie das früher der Fall war.

Schauen wir uns beispielsweise Live-Auftritte an. Der geteilte Raum, den Live-Shows herstellen, wurde neu definiert. Die ersten Live-Stream-Räume für Performances wie SPF420 haben die Definition von Gemeinschaft erweitert.

Diese Räume sind genauso echt wie die Communitys, die man in der Realität findet.

Es ist sogar so, dass die Reichweite, die diese Online-Räume MusikerInnen bieten, jene im ‘echten’ Leben um Längen schlägt. Und die Teilnahme, die Chat-Funktionen und Archivierung ermöglicht, bereichert die gesamte Erfahrung.

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Das ursprüngliche Konzept, Performance-Räume live zu streamen, hat sich seit den frühen Ideen stark weiterentwickelt. Boiler Room ist mittlerweile ein globaler Kanal, der Sets von überall auf der Welt live streamt. Solche Räume führen dazu, dass alle Events einen Platz in der Konversation bekommen. Diese Arten von Streams werden nie den vereinenden Effekt, den ‘echte’ Auftritte haben, ersetzen.

Doch aus den Ergebnissen der Interaktionen in Online-Communitys ergeben sich Mikro-Genres und Bewegungen. Außerdem führen sie dazu, dass Musikschaffende in einem noch viel breiteren Ausmaß Ideen austauschen, als das bisher der Fall ist.

Massenhafte Zusammenarbeit im Netz und Online-Communitys schwächen die Musik nicht ab, sondern machen sie einzigartiger. Der kreative Spielraum wird größer und die Vielfalt an Sounds nimmt dank dem offenen Austausch von Ideen und Konversationen zu.

Da sein, ohne da zu sein, das ist die Zukunft.

5. (Steht noch offen)

Niemand kennt die Zukunft in ihrem vollen Umfang, und das ist ziemlich tröstlich. Das macht Musik so toll – alles ist möglich und könnte jetzt gerade passieren.

Glaubst du, die Musikbranche hätte Napster vorhersehen können? Definitiv nicht. Hat vor 20 Jahren irgendwer vorhersehen können, dass Streaming jemals physische Verkäufe überholen würde? Auch da lautet die Antwort wohl eher nein.

Daher lasse ich diesen Punkt offen. Es ist eine Hommage an alle Entdeckungen, Erfindungen und Entwicklungen, die die Musikindustrie bereits durchgemacht hat. Und eine Zelebrierung derjenigen, die noch kommen werden.

Frag mich in 10 Jahren, was es war, und ich fülle die Lücke. Doch bis dahin sollten wir von dem, was es hier und jetzt bereits gibt, profitieren.

Denn es gab noch nie eine bessere Zeit, um sich hinzusetzen und genau jetzt etwas zu erschaffen.

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Annika Wegerle

Annika liebt verquere Geschichten und schillernde Figuren. Sie schreibt über Musik und alles, was sie sonst in die Finger bekommt.

@Annika Wegerle

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