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Wie man ein Plattenlabel gründet

Wie man ein Plattenlabel gründet

Die einzige Anleitung, die du jemals brauchen wirst.

Du bist musikbegeistert. Du kennst dich aus und weißt, was gut ist. Du hörst dir jeden Tag tonnenweise neues Material an. Es wird Zeit, dass du ein Musiklabel gründest.

Aber wo anfangen?

Keine Sorge, wir haben die Lösung für dich.

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Sänger Ian Mackaye und Drummer Jeff Nelson von The Slinkees / Teen Idles / Minor Threat gründeten 1980 Dischord.

Foto Malcolm Rivera / CC 3.0

BESTIMME DEINEN PLATZ IN DER MUSIKINDUSTRIE

Was liebst du am meisten? Welche Musik kennst du in- und auswendig? Die wertvollste Währung in der Musikindustrie ist Leidenschaft.

Egal, für welche Art von Label du dich entscheidest, es sollte eines sein, hinter dem du zu 100% stehst. Trends kommen und gehen.

Wenn du ernsthaft an etwas Beständigem interessiert bist, wähle Musik, hinter der du auch noch in ferner Zukunft stehen kannst.

Stell dir dich selbst auf deiner Terrasse vor, wenn du in Rente bist. Du hast deine Kopfhörer auf. Du wirfst einen Blick zurück auf dein Leben und auf all deine wertvollsten Erinnerungen. Was wirst du dir anhören? Genau das ist es, was du veröffentlichen solltest. Was auch immer für dich zeitlos ist.

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Foto Grant Hutchison / CC 2.0

WERDE DIR ÜBER DEIN FORMAT KLAR

‘Welches Format ist das beste?’ ist zurzeit eine der am heftigsten diskutierten Streitfragen zwischen Musiklabels.

Es ist wie die Frage “Was möchtest Du zum Nachtisch: Kuchen oder Eis?” Für was auch immer du dich entscheidest, so oder so wirst du einen köstlichen Nachtisch bekommen. Aber sich erstmal für eines zu entscheiden, das ist der maßgebliche Teil. Fünf verschieden Formate zu jonglieren, wenn du gerade erst begonnen hast, kann schwieriger sein, als einen Wackelpudding an einen Baum zu nageln. Halte es einfach.

Die vier gängigsten Formate sind:

Auch wenn dies die gängigsten Formate sind, muss sich dein Label nicht nur darauf beschränken. Es ist schwierig herauszustechen in einer dermaßen übersättigten Industrie. Zögere nicht, kreativ mit deinen Formaten zu sein. Genauso kreativ, wie du auch deinen Eisbecher dekorieren würdest.

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NUTZE STREAMING-DIENSTE

164 Milliarden Songs wurden letztes Jahr allein in den USA gestreamt.

Streaming-Dienste wie SoundCloud, Bandcamp und Discogs werden deinem kleinen Unternehmen die Aufmerksamkeit bescheren, die es braucht, um erfolgreich zu sein.

Solche Dienste fallen unter den Oberbegriff Vertrieb (darauf komme ich später zurück), bescheren dir aber umgehend Aufmerksamkeit und Gehör. Wenn du der breiten Masse etwas mitteilen willst, brauchst du eben ein Megaphon.

LEGE FEST, WER AUF DEINEM LABEL MUSIK PRODUZIEREN WIRD

Ein Label ist eine Gemeinschaft. Triffst du dich am Wochenende zum Musikhören mit Freunden, die selber Musik machen? Gründe ein Label.

Labels entstehen aus einer Gruppe von Gleichgesinnten, die der Musik etwas zurückgeben wollen.

Den Kern an MusikerInnen zu finden, ist einfach, wenn du dich daran erinnerst, dass ein Label eine Gemeinschaft ist.

Du wirst neue Musik brauchen. Eine Menge davon. Hege und pflege deine MusikerInnen und behandle sie wie die Stars von Morgen. Ihre Musik sollte immer an erster Stelle stehen. Die AnzugträgerInnen werden dir erzählen, dass die Musik unwichtig ist und nur Geld, Follower, Verträge und Verkäufe zählen. Trage ruhig einen Anzug, lass den Anzug jedoch nicht dich tragen.

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ERSTELLE EINEN BUSINESSPLAN

Du BRAUCHST einen Businessplan. Skizziere und umreiße, wie dein Geschäft geführt werden wird.

Das hilft dir dabei auszukundschaften, wie du an Startkapital kommen kannst. Auch wenn du jetzt damit aufgehört hast, seltene Disko-Singles zu kaufen, um für dein Label zu sparen – du wirst höchstwahrscheinlich etwas extra Kohle von irgendwoher benötigen.

Ein guter Businessplan beinhaltet:

  1. Name und Vision
  2. Startkosten
  3. Produktangebot
  4. Marktanalyse
  5. Konkurrenz
  6. Markenstrategie und Umsetzung
  7. Umsatzprognose
  8. Ziele
  9. Monatliche Betriebskosten

Mit ein paar Notizen, die du schnell im Klub auf einen Bierdeckel geschrieben hast, zu einem Meeting zu erscheinen, ist wahrscheinlich keine gute Idee. Du bist jetzt ein/e UnternehmerIn.

Ein Businessplan ist einer der besten Wege, um von Anfang an ernst genommen zu werden.

Außerdem stellt er zusammen mit dem Business-Outfit, das du gerade gekauft hast, ein großartiges Accessoire dar.

WAS MACHT EIN PLATTENLABEL?

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Foto Mr Choppers / CC 3.0 abgeändert ; )

Distribution

Distribution sorgt dafür, dass deine Musik in die digitalen Musikshops kommt. Solide Distribution ist das A und O, wenn es darum geht, die Reichweite deines Labels zu vergrößern.

Obwohl physische Distribution nach wie vor wichtig ist, stellt die Online-Distribution derzeit das wichtigste Outlet dar.

Man kann sie außerdem selbst erledigen. Online-Vertriebe vertreiben deinen gesamten, für Streaming, Downloads und Playlisten bereiten Katalog an alle wichtigen Shops.

Vergiss dabei jedoch nicht, dass Online-Shops keine PR-Maschinen sind. Deine Distribution ist daher nur so gut wie deine Promotion.

Heißer Tipp: KLICKE HIER, um unser kostenloses E-Book zur Musik-Promotion herunterzuladen, in dem du alles erfährst, was du wissen musst, um deine Musik erfolgreich zu promoten.

Als erstes solltest du dich darauf konzentrieren, deine Marke aufzubauen und einen gewissen Hype um die Musik deiner KünstlerInnen zu kreieren, und zwar anhand von Presse, Touring und Radio. Nur so bringst du deine Musik an die Frau oder den Mann. Hallo Welt!

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A&R A&R steht für Artists & Repertoire. Die A&R-Seite deines Labels ist für die Talentsuche und das Artist Development verantwortlich. Das klingt jetzt vielleicht erstmal etwas trocken, ist aber tatsächlich der beste Teil. Es bedeutet nämlich nichts Anderes, als dass du jeden Tag nach neuer toller Musik suchst – und sie hoffentlich auch findest. Und es bedeutet auch, dass du den MusikerInnen, die du verpflichtet hast, dabei hilfst, ihre bestmögliche Musik zu veröffentlichen.

Ich weiß ja nicht, wie du darüber denkst, aber MusikerInnen zu ermöglichen, großartige Musik zu machen, klingt für mich ziemlich gut.

VERLAGSVERTRAG

MusikverlegerInnen sind das Bindeglied. Sie bemühen sich um Lizenzen und stimmen Verträge ab. Sie stellen sicher, dass deine MusikerInnen eine angemessene Vergütung für die Ausstrahlung ihrer Musik erhalten.

Wir haben doch alle schon mal den Begriff Tantiemen gehört – wahrscheinlich weil irgendein/e millionenschwere/r MusikerIn sich darüber beklagt hat, dass er nicht genügend erhält.

VerlegerInnen kümmern sich um die Tantiemen für deine MusikerInnen.

Labels spielen eine wichtige Rolle, indem sie Verlagsverträge für ihre MuiskerInnen abschließen. Sorge dafür, dass deine MusikerInnen bezahlt werden! Viel zu lange sind sie doch nur gerade so über die Runden gekommen.

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BRANDING UND DESIGN

Dein Label ist eine Marke. Das klingt vielleicht ein bisschen zu ‘business’, ist aber wahr. Auch wenn du unglaubliche Musik machst, sie wird sich nicht von alleine verkaufen. In der heutigen Musikindustrie ist das Marketing eine der wichtigsten Leistungen, die Labels erbringen.

Hier einige wichtige Bereiche, die zu beachten sind, wenn du eine Marke für dein Label aufbaust:

  • Logo

Dein Logo ist entscheidend. Es wird dich für immer repräsentieren – online und offline. Denke daran: Es wird überall präsent sein. Ein solides Logo wird es dir erleichtern, den Rest deines Design zu bestimmen.

Denke dir ein Logo wie ein Gesichtstattoo – es ist permanent. Also wenn du dir eins zulegst, ist es besser eins, das du wirklich magst. 

  • Pressemappe

Pressemappen helfen den Verkaufsstellen zu verstehen, was dein Label macht. Jede/r MusikerIn braucht eine. Normalerweise beinhaltet sie:

  • Farbfoto der Band oder der Musikerin/des Musikers
  • Kurzbiographie
  • 1-2 kürzlich erschienene Pressestücke
  • Demoaufnahmen
  • Bevorstehende Tourdaten
  • Vergangene Shows
  • Kontaktinformation (am allerwichtigsten)
  • Eine Haarlocke der Musikerin oder des Musikers (optional)

Du brauchst physikalische Pressemappen und elektronische (electronic press kit – EPK). Physikalische Pressemappen sind gut für persönliche Meetings oder für Kontakte, bei denen du einen besonderen Eindruck hinterlassen möchtest. EPKs sind wichtiger in der gegenwärtigen Musikindustrie. Sie können schneller und öfter versandt werden, um deine MusikerInnen bekannt zu machen. In diesem Geschäft hat niemand mehr Zeit, sich jeden Tag durch hunderte physikalischer Pressemappen zu wälzen.

Halte deine Pressemappen einfach. Pressemappen mit zu viel Text sind ineffizient und werden oft nicht beachtet. Fokussiere dich auf die zentralen Eckdaten der Musikerin oder des Musikers und halte das Ganze kurz.

Sobald du deine Pressemappen hast, kannst du sie an Vertriebe, Booking-Agenturen, RepräsentantInnen und jeden Anderen, den du erreichen willst, weiterleiten.

MUSIK-PROMOTION

Dein Label muss ein starkes Marketing-Werkzeug für deine MusikerInnen sein. Social Media sind hier ein Hauptaspekt. Twitter, Facebook und Instagram sind alle gute Orte, um ein aussagekräftiges Profil anzulegen. Diese Dienste werden ein etwas persönlicheres Profil für dein Label kreieren. 

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Benutze sie zum Bewerben anstehender Shows, für Neuveröffentlichungen und andere wichtige Informationen zu deinem Label.

Teile deine Inhalte auf all deinen Plattformen. Zum Beispiel: Wenn du etwas auf SoundCloud postest, solltest du Leute auf Facebook und Twitter darüber informieren. So viele HörerInnen wie möglich zu erreichen, ist der Schlüssel. Deine Sichtbarkeit in den Social Media aufrechtzuerhalten, gibt dir Zeit, dich auf die nächste Veröffentlichung zu konzentrieren. Oder Zeit, um dir endlich den Haarschnitt verpassen zu lassen, den du schon so lange vor dir herschiebst.

  • SoundCloud
    • SoundCloud ist ein exzellenter Ort, um ein gutes Auftreten zu generieren. Das follow-and-feed-System ermöglicht es Labels, ihr eigenes Profil anzulegen und sich mit gleichgesinnten Online-Communitys auszutauschen. Es bietet dir außerdem Platz zum Posten von Radiomaterial, Mixes, Teasern, Demos und Live-Aufnahmen. Du solltest aber auch mal schauen, was eigentlich all die anderen so veröffentlichen. 
  • Bandcamp
    • Nein, damit meinen wir nicht, dass du deine MusikerInnen in ein wirkliches Camp schicken sollst. Wir meinen die Streaming-Seite Bandcamp, die es ermöglicht, digitale Alben und physische Veröffentlichungen zu erwerben. Die meisten unabhängigen Labels haben ihre eigenen Bandcamp-Seite, auf der ihre Veröffentlichungen gesammelt sind. Du brauchst also auch eine. Zusätzlich kann jede/r deiner MusikerInnen natürlich auch ihre oder seine eigene Bandcamp-Seite haben. Dies verschafft dir mehrere Online-Verkaufsstellen.

Du musst auch einen Vermittlungsagenten sicherstellen. Dieser wird sich um alle Arrangements für die Tourneen deiner MusikerInnen kümmern. Touren ist ein großartiger Weg, um das Material deines Labels zu promoten und dafür zu sorgen, dass deine MusikerInnen bezahlt werden.

BLEIB IMMER IN BEWEGUNG

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Sobald (hoffentlich) alles rund läuft und du deine ersten paar Veröffentlichungen gemeistert hast (Multi-Platin, stimmt‘s?), musst du diesen anfänglichen Schwung beibehalten.

Nur weil du jetzt ein Label hast, bedeutet das nicht, dass du selbstgefällig werden solltest.

Höre dir weiterhin alles an. Bleibe ein Fan. Suche weiter nach dem besten Zeug.

Kleine Erfolge erlauben es dir, hier und da Risiken einzugehen. Mach das. So stellst du sicher, dass deine Inhalte sich nicht abnutzen, sondern frisch bleiben. Alle guten Labels müssen sich weiterentwickeln.