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Unschöne Wahrheiten: Jedes Plugin hat seine Nachteile

Unschöne Wahrheiten: Jedes Plugin hat seine Nachteile

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Willkommen zu Unschöne Wahrheiten, der LANDR Blog-Serie, in der wir uns den harten Realitäten der Musikproduktion widmen. Die folgenden Ratschläge willst du vielleicht nicht unbedingt hören – doch sie werden deine Produktions-Skills bereichern.

Die meisten Produzent*innen können sich extrem für ihre Tools begeistern.

Die besten neuen Plugins zeitigen bei obsessiven Musiker*innen, die immer auf der Jagd nach einem besseren Mix sind, einen massiven Hype auf den einschlägigen Foren.

Doch nur selten hört man von den Nachteilen und Kompromissen, die Plugins mit sich bringen können.

Meine heutige unschöne Wahrheit? EQ, Kompression und andere Arten von Mixing-Prozessen können auch Schaden anrichten – tatsächlich ist es so, dass keine Bearbeitung häufig am besten klingt.

Das soll dich nicht entmutigen. Du kannst die negativen Effekte ganz einfach reduzieren, indem du deine Tools korrekt einsetzt und in jeder Phase deines Schaffensprozesses die richtigen Entscheidungen triffst.

In diesem Artikel zeige ich die Probleme auf, die grundlegende Mixing-Effekte mit sich bringen – und wie du sie vermeidest.

Phasenverschiebung mit EQ

Die meisten Mixing-Ingenieur*innen wenden wenigsten ein Mindestmaß an EQ auf alle Spuren in ihrer Session an.

Immerhin trägt die Ausgeglichenheit im Frequenzspektrum einer jeden Spur maßgeblich dazu bei, dass die individuellen Instrumente in deinem Mix zu hören sind.

Auf diese Weise reduziert gutes EQing den Maskierungseffekt. Maskierung bedeutet, dass sich Instrumente mit ähnlichen Mengen an Energie in denselben Frequenzbereichen gegenseitig verdecken, wenn sie zusammengemischt werden.

Leider ist kein EQ perfekt. Alle EQs sind lediglich eine Reihe von FIltern. Diese Filter haben bestimmte Qualitäten, mit denen du Vorliebe nehmen musst, egal wie ausgefeilt deine Plugins auch sein mögen.

Wenn du bestimmte Frequenzen anhand eines EQs herausfilterst, nimmst du eine subtile Veränderung an der Phase des Signals vor.

Wenn du bestimmte Frequenzen anhand eines EQs herausfilterst, nimmst du eine subtile Veränderung an der Phase des Signals vor.

Phase ist ein kompliziertes Thema, doch alles, was du diesbezüglich in diesem Zusammenhang wissen musst, ist, dass sie viele kleine Unterschiede im Timing eines Signals bedeutet.

Veränderungen in der Phase stellen für individuelle Spuren kein Problem dar.

Doch Veränderungen im Timing zwischen zwei verwandten Signalen kann zu destruktiver Interferenz führen, die wiederum dazu führt, dass deine Spuren miteinander konkurrieren.

Probleme mit der Phase können immer dann entstehen, wenn du mehr als eine Quelle auf einmal aufnimmst, wie z.B. mehrere Mikrofone oder ein Mikro und eine DI.

Das Problem kann sogar zwischen Samples und Instrumenten in geschichteten Kicks und Bässen auftreten.

Und an dieser Stelle kommt EQ ins Spiel. Wenn du EQ nur auf zwei verwandte Spuren anwendest, riskierst du destruktive Interferenz – selbst in den Spuren, die vorher keine Phasenprobleme hatten.

Das liegt daran, dass der Filter des EQs eine Phasenverschiebung hervorruft.

Hier ist ein Beispiel. Ich habe zwei identische Sinuswellentöne auf zwei unterschiedlichen Spuren.

Ohne EQ klingt die Sinuswelle lauter, wenn du dir beide gleichzeitig anhörst.

Doch wenn du die Phase einer der Sinuswellen um 180 Grad invertierst, heben sie sich gegenseitig auf.

Das Signal verschwindet. Die zwei Spuren sind exakt gleich, daher ist das Resultat 100% destruktive Interferenz.

Doch wenn man einen Filter hinzufügt, ändert sich das Ergebnis. Wenn ein Hochpassfilter eingefügt wird, heben sich die Sounds nicht mehr vollkommen gegenseitig auf, wenn man die Phase einer der beiden Spuren invertiert – selbst wenn die Cutoff-Frequenz des Filters viel niedriger ist als die Grundwelle der Sinuswelle.

Der Unterschied zwischen den beiden invertierten Spuren liegt in dem, was man aufgrund der destruktiven Interferenz verliert, wenn man die beiden Signale kombiniert.

Der Unterschied zwischen den beiden invertierten Spuren liegt in dem, was man aufgrund der destruktiven Interferenz verliert, wenn man die beiden Signale kombiniert.

Jetzt stell dir vor, dabei handelt es sich um zwei elementare Spuren deines Mixes.

Jedes Mal, wenn du zwei verwandte Spuren auf unterschiedliche Weise EQst, gehst du das Risiko ein, dass durch die Veränderung in der Phase destruktive Interferenz entsteht.

Wie vermeidet man das Ganze? EQe miteinander verwandte Spuren auf einem Bus. Oder noch besser, lass den EQ ganz weg. Deine Sounds sollten schon von Anfang an so nah wie möglich an ihren fertigen Zustand herankommen.

Nichtlinearitäten und Sättigung

Der nächste unerwartete Nebeneffekt tritt auf, wenn du Plugins benutzt, die behaupten, dir die Wärme und Sättigung von Vintage-Equipment zu liefern.

Wir würden alle gerne das klassische Equipment besitzen, das für legendäre Alben benutzt wurde, doch analoge Hardware bietet mehr als nur einen Vintage-Vibe.

Analoge Schaltkreise haben ihre ganz eigenen kleinen Eigenarten, die sich nur schwer mit digitalen Plugins reproduzieren lassen.

Damit meine ich Nichtlinearitäten. Nichtlinearitäten sind die unvorhersehbaren Obertöne, die für Sättigung und Verzerrung in einem Signal sorgen.

Die meisten Plugins, die dazu gemacht sind, dir einen warmen Vintage-Sound zu liefern, benutzen irgendeine Art der Sättigung, um diesen Effekt zu erzeugen.

Die meisten Plugins, die dazu gemacht sind, dir einen warmen Vintage-Sound zu liefern, benutzen irgendeine Art der Sättigung, um diesen Effekt zu erzeugen.

Plugin-Hersteller verstehen Nichtlinearitäten zwar, doch sie kreieren ein spezifisches Problem in der digitalen Welt.

Sättigung erzeugt zusätzliche harmonische Teiltöne in einem Sound, die deinem Gehirn dabei helfen, verschiedene Klänge auseinander zu halten.

Doch wenn durch Sättigung zusätzliche Teiltöne hinzugefügt werden, entstehen dadurch über das ganze Frequenzspektrum hinweg Oberschwingungen.

Manche von ihnen sind sogar so hoch, dass sie in einer digitalen Datei nicht einmal richtig wiedergegeben werden können. Solche extrem hohen Frequenzen erzeugen Fehler, die wiederum negative Effekte in deinem Mix hervorrufen.



Dies ist nur eine weitere der unsichtbaren Konsequenzen, die durch extreme Bearbeitung entstehen.

Moderne Plugins arbeiten mit beeindruckender Technologie, um diese Beschränkungen zu umgehen, doch am besten umschiffst du sie, indem du Sättigung an den richtigen Stellen einsetzt.

Wenn du stur von analog = gut ausgehst, stapelst du am Ende Plugin auf Plugin auf Plugin und verstärkst so die negativen Effekte.

Wie man es besser macht

Im Angesicht dieser Probleme mag es einem so vorkommen, als könne man gegen die Nachteile von Effekten und Plugins nicht viel tun.

Doch natürlich brauchen wir diese Plugins und Effekte für grundlegende Mixing-Aufgaben wie das Reduzieren des Frequenzbereichs und die Ausgeglichenheit des Frequenzspektrums.

Die Lösung liegt darin, die Kontrolle, die deine Plugins dir über das Signal verschaffen, gegen die negativen Effekte, die sie mit sich bringen, abzuwägen.

Das ist es, was professionelle Tontechniker*innen meinen, wenn sie von “weniger ist mehr” und “von Anfang an richtig machen” sprechen.

Je weniger Bearbeitung du vornimmst, desto besser. Und von Anfang an den richtigen Sound zu bekommen ist immer wichtig, egal in welchem Genre du dich aufhältst.

Am besten denkst du schon über den Mix nach, bevor du anfängst. So kannst du deine Tools zu deinem Vorteil nutzen, statt gegen sie anzukämpfen.

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Annika Wegerle

Annika liebt verquere Geschichten und schillernde Figuren. Sie schreibt über Musik und alles, was sie sonst in die Finger bekommt.

@Annika Wegerle

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