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Skeuomorphismus: Wie das Design eines Plugins beeinflusst, was du hörst

Skeuomorphismus: Wie das Design eines Plugins beeinflusst, was du hörst

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Inwiefern beeinflusst die grafische Gestaltung eines Plugins deine Meinung in Hinblick darauf, wie es klingt?

Du denkst vielleicht, deine Ohren seien vollkommen objektiv, doch der visuelle Aspekt deiner Tools wirkt sich massiv auf deine akustische Wahrnehmung aus.

Wir können uns da alle an die Nase fassen. Hast du auch schonmal ewig ein EQ-Plugin eingestellt, bis dir aufgefallen ist, dass es eigentlich umgangen wird oder auf den falschen Kanal geschaltet wurde? Mir ist das auf jeden Fall schon mehrmals passiert.

Wenn du dich stark auf subtile Veränderungen im Klang fokussierst, kann alles mögliche dein Gehör beeinflussen.

Wenn du dich auf subtile Veränderungen im Klang fokussierst, kann alles mögliche dein Gehör beeinflussen.

Das Design eines Plugins ist da keine Ausnahme. Wirst du ausgetrickst?

Wir erklären dir, wie sich skeuomorphes Design auf deine Mixe auswirken kann. Oder eben nicht.

Was ist Skeuomorphismus?

Skeueomorphismus ist ein Designkonzept, bei dem Elemente eines User-Interfaces im digitalen Bereich das Erscheinungsbild ihres Equivalents in der physischen Welt nachahmen.

Skeuomorphes Design stammt aus der frühen PC-Ära, als das Desktop-Paradigma (Desktop als Schreibtischplatte/Arbeitsfläche) für die Informatik übernommen wurde.

Designer*innen mussten grundlegende Computer-Funktionen wie Ordner oder den Mülleimer mit Konzepten aus dem echten Leben in Verbindung bringen, damit Nutzer*innen die Metaphorik verstehen konnten.

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Es gibt keinen eigentlichen Grund dafür, dass der Ort, an dem gelöschte Dateien abgelegt werden, Mülleimer heißt, doch dadurch wird den Nutzer*innen dabei geholfen, seinen Zweck ohne Weiteres nur aufgrund des Designs zu verstehen.

Dafür zu sorgen, dass etwas leichter zu benutzen ist, ist nie eine schlechte Sache. Doch skeuomorphes Design kann durchaus sich auch problematisch auf Plugins und die Art, wie du mischst, auswirken.

Skeuomorphes Design stammt aus der frühen PC-Ära, als das Desktop-Paradigma (Desktop als Schreibtischplatte/Arbeitsfläche) für die Informatik übernommen wurde.

Skeuomorphe Plugins

Skeuomorphismus ist omnipräsent in der Welt des Plugin-Designs.

Bedienelemente von Plugins haben sich von minimalistischen Schiebereglern, die sich vom Windows-95-Look kaum unterschieden, zu üppigen UIs gemausert, die einem das Gefühl geben, man arbeite mit echter Vintage-Hardware.

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Es ist schwer zu sagen, wann genau das Ganze angefangen hat, doch irgendwo hat irgendein cleverer UI-Designer festgestellt, dass sich Plugins viel besser verkaufen, wenn sie wie klassisches Analog-Equipment aussehen.

Analog-Equipment kann super sein, doch der Großteil des Hypes basiert auf Angebot und Nachfrage.

Hardware ist teuer, klassische Modelle sind extrem rar und man hat immer im Hinterkopf, dass die “Geheimzutat” des Lieblingsalbums eine bestimmte Analog-Signalkette ist.

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Hardware ist teuer, klassische Modelle sind extrem rar und man hat immer im Hinterkopf, dass die “Geheimzutat” des Lieblingsalbums eine bestimmte Analog-Signalkette ist.

Im Laufe der Zeit hat Online-Wissen zum Thema Recording bestimmtes Equipment fast schon mythischen Status verliehen.

Die Aussicht, dass man diese Magie auch für seinen eigenen Mix herstellen kann, ist der Grund dafür, das skeuomorphe Plugins so effektiv sind.

Imitationsspiele

Legendäre Hardware-Einheiten, die seit Jahrzehnten in keinem Studio fehlen dürfen, stehen im Zentrum der Obsession mit allem, was analog ist. Doch wenn man alle Mystik entfernt, ist jeder analoge Prozessor im Endeffekt doch nur ein elektronischer Schaltkreis.

Jeder Teil eines Schaltkreises hat physikalische Eigenschaften und Verhaltensweisen, die Plugin-Designer messen können.

Theoretisch müsste man, wenn man die Antwort jedes Einzelteils in einem Signalweg misst und nachbildet, Hardware perfekt nachahmen können.

Theoretisch müsste man, wenn man die Antwort jedes Einzelteils in einem Signalweg misst und nachbildet, Hardware perfekt nachahmen können.

Sensible Messungen und Modellierungsverfahren können sogar sogenannte “Nichtlinearitäten” wie Verzerrung und Sättigung nachbilden.

Doch natürlich verstummt die Debatte “Plugins vs. Hardware” in der Praxis nicht, wobei es in dieser Konversation vor allem darum geht, ob eine neue Emulation “genauso gut klingt wie das Original”.

Ich will mich hier auf keine Seite schlagen, doch es ist eindeutig, dass die Authentizität eines Plugins mehr überzeugt, wenn es wie das Original aussieht.

Und da kommt Skeuomorphismus ins Spiel.

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Universal Audio verteidigt nicht ohne Grund seinen Anspruch auf den Titel der einzigen offiziell lizenzierten Software-Emulation der beliebtesten Studio-Prozessoren. Besonders die Plugin-UIs, die das Bedienfeld der Hardware perfekt nachbilden, überzeugt Nutzer*innen.

Es lohnt sich, dir die Frage zu stellen, inwiefern der Design-Aspekt deine Entscheidungen beeinflusst.

Wie sehr ähnelt der Klang des 1176-Plugins dem des Originals? Hast du das Original überhaupt schonmal gehört? Überzeugt der “analoge” Charakter des Plugins? Wärst du nach wie vor der Meinung, dass es “warm” klingt, wenn es so aussehen würde?

Natürlich sind die Antworten auf diese Fragen sehr subjektiv. Doch skeuomorphes Design kann dich durchaus auf unbewusster Ebene in eine bestimmte Richtung lenken.

Einsame Skeuomorphen

Skeuomorphismus ist nicht unbedingt etwas Schlechtes.

Wenn ein*e Plugin-Designer*in keine Mühen scheut, um eine bestimmte Vintage-Einheit mit einem bekannten Workflow perfekt nachzubilden, dann ist ein skeuomorphes Design durchaus praktisch.

Nutzer*innen, die mit der Hardware vertraut sind, können so das Plugin ohne Weiteres sofort benutzen.

Doch wenn das Plugin ein Original ist, das keine spezifische Art von Hardware nachahmt, dann ist Skeuomorphismus schon etwas problematischer.

Da ich UAD bereits erwähnt habe, schauen wir uns doch einfach eines ihrer neueren Plugins an: das Century Tube Channel Strip.

UAD behauptet, das Century Tube strotze nur so vor analogem Charakter, doch wenn mich nicht alles täuscht, ist es keine Eins-zu-eins-Nachahmung existierender Hardware, wie uns jedoch sein skeuomorphes Design vermuten lässt.

Ist es vielleicht Kanalstreifen (channel strip) eines namhaften Luxus-Herstellers? nachempfunden? Schon möglich, allerdings stellt dieses Unternehmen keine optischen Kompressoren her.

Wahrscheinlicher ist es, dass die Designer*innen einfach ein Hardware-Bedienfeld entworfen haben, um Nutzer*innen Vakuumröhrentechnik zu signalisieren.

Das Plugin an sich könnte bereits existierenden nachgebildeten Schaltkreisen und Gain-Stages, die von anderen UAD-Produkten übrig waren, nachempfunden sein.

Diese Art von imaginärem Röhrenprozessor klingt wahrscheinlich genauso gut wie die restlichen Röhrenemulationen von UAD, doch lässt die Idee dessen, was analog eigentlich ist, verschwimmen.

Vielleicht existiert das “analog”, auf das die neue Generation von Toningenieur*innen aus ist, eher in Form einer kollektiven Fantasie als der eigentlichen Hardware…

Vielleicht existiert das “analog”, auf das die neue Generation von Toningenieur*innen aus ist, eher in Form einer kollektiven Fantasie als der eigentlichen Hardware…

Meta-Skeuomorph-osen

Skeuomorphe Plugins bringen dich dazu, über die externen Faktoren, die zu deiner Wahrnehmung von Sound beitragen, nachzudenken.

Menschen sind visuelle Kreaturen und unsere kognitiven Vorurteile sind schwer zu überwinden.

Behalte daher das Konzept des Skeuomorphismus im Hinterkopf für wenn du das nächste Mal ein Plugin auswählst, um deine Tracks mit ein wenig “analoger Vintage-Wärme” zu versorgen.

Deine Ohren fällen stets das beste Urteil!

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Annika Wegerle

Annika liebt verquere Geschichten und schillernde Figuren. Sie schreibt über Musik und alles, was sie sonst in die Finger bekommt.

@Annika Wegerle

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