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Musiktheorie

Musik-Modi: Wie du deine Songs mit ein wenig modaler Farbe bereicherst

Musik-Modi: Wie du deine Songs mit ein wenig modaler Farbe bereicherst

Warum solltest du Musik-Modi auswendig lernen?

Gute Frage. Selbst wenn du weißt, dass es sich auszahlt, ist die Vorstellung, sich hinzusetzen und Tonleitern auswendig zu lernen, nicht gerade das, was man sich unter ‘kreativem Flow’ vorstellt.

Musiktheorie ist eines der häufigsten Hindernisse für selbstgelernte MusikerInnen und Producer.

Doch tatsächlich brauchst du lediglich eine Prise praktisches Verständnis von Musik-Modi (häufig auch Kirchentonarten genannt), um deine Klangpalette zu erweitern.

Falls du dich in einer kreativen Blockade befindest, sind Modi die einfachste Alternative zur immer gleichen Dur-Tonleiter.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du Modi bildest – und sie dir merkst -, wie sie klingen, und Arten, sie zu vertiefen.

Was sind Musik-Modi?

Musik-Modi sind Arten von Tonleitern mit unverwechselbaren melodischen Merkmalen. Die sieben Modi – ionisch, dorisch, phrygisch, lydisch, mixolydisch, aeolisch and lokrisch – sind in den frühen Formen westlicher Musik entstanden.

Bevor uns die Mathematik zum Aufteilen einer Oktave in 12 gleichwertige Töne zugänglich war, mussten wir mit einem nicht ganz so idealen System Vorlieb nehmen. Modi waren da die Lösung.

Statt einer allumfassenden Tonleiter, die in verschiedene Tonarten transponiert werden konnte, gab es sieben Modi, die über ihre jeweils eigene Struktur verfügten.

In der frühen Musik wurden Modi so ähnlich verwendet wie heute Tonarten.

Heutzutage bezieht sich der Begriff modale Musik auf Musikstücke, in denen Modi anstelle von traditionellen funktionalen Harmonien zu Struktur- und Harmoniezwecken eingesetzt werden.

Wie Modi beim Songwriting helfen

Sofern du bei deinem Songwriting bisher besonders häufig die typischen moll- und Dur-Tonleitern benutzt hast, kann dein nächster Song mächtig von der modalen Geschmacksrichtung profitieren!

Jeder Modus hat seine ganz eigene Farbe und Stimmung. Die melodischen Signaturen von Modi können deinem Sound viel Drama und Frische einverleiben.

Und sie sind auch gar nicht so schwer zu lernen. Wenn du erst einmal ein paar Modi ausprobierst, wirst du viele der Sounds und Farben, die sie zu bieten haben, wiedererkennen.

Wie man Modi bildet

Der Klang der Modi entsteht dadurch, wie sie gebildet werden. Was also sind sie und wie kann man sie auswendig lernen?

Die Modi haben eine Reihenfolge, die folgendermaßen aussieht:

1. Ionisch
2. Dorisch
3. Phrygisch
4. Lydisch
5. Mixolydisch
6. Aeolisch
7. Lokrisch

Sofern du bei deinem Songwriting bisher besonders häufig die typischen moll- und Dur-Tonleitern benutzt hast, kann dein nächster Song mächtig von der modalen Geschmacksrichtung profitieren!

Ich gehe nach und nach durch alle Modi und bilde jeden einzelnen ausgehend von der Tonleiter C-Dur. Dabei gebe ich stets ein Beispiel aus der Musikgeschichte, um dir das Potential jedes einzelnen Modus für dein Songwriting vor Augen zu führen.

Der ionische Modus

Legen wir mit der Dur-Tonleiter los, die mit dem ersten Modus übereinstimmt: dem ionischen Modus.

Da sich der Grundton nicht verändert, wenn wir durch die Modi gehen, kannst du jeden Modus auf der Dur-Tonleiter spielen.

Falls du eine kurze Auffrischung brauchst, was Grundtöne angeht, empfehle ich dir unseren Leitfaden zum Quintenzirkel.

Wie du siehst, hat C-Dur keine Kreuze oder bs, sondern lediglich weiße Tasten auf dem Klavier: C-D-E-F-G-A-H-C

1_C_Ionian_Mode

Da alle Töne im Wesentlichen die gleichen sind, müssen wir jeden Modus über den entsprechenden diatonischen Akkord spielen, um seine spezifischen Eigenschaften zu hören.

Der dorische Modus

Für den dorischen Modus schreibst du einfach die C-Dur-Tonleiter, doch statt bei der Oktave (C) aufzuhören, schreibst du die nächsten Tonleiterstufen so, als würdest du auf der Oktave (D) weitermachen.

Wenn wir das C, bei dem wir angefangen haben, entfernen, haben wir nun eine aus 8 Tönen bestehende Tonleiter von D1-D2. Das ist der zweite Modus: D dorisch.

2_D_Dorian_Mode

Wie dir bestimmt aufgefallen ist, ist dieser Modus der D-moll-Tonleiter sehr ähnlich.

Er ist ihr ähnlich, weist jedoch ein paar wichtige Unterschiede auf. Die sechste Stufe ist natürlich, doch die siebte Stufe ist vermindert.

Dies unterscheidet den dorische Modus von anderen moll-Tonarten und verleiht ihm eine ganz spezielle Qualität.

Hier ein Song, der um den dorischen Modus herum gebaut wurde. Halte die Ohren offen nach dem Sound der natürlichen sechsten Stufe in den Gitarren-Figuren am Anfang sowie in der Vocal-Melodie:

Der phrygische Modus

Schreibe jetzt den nächsten Ton in der Tonleiter. Wenn du das D entfernst, erhältst du eine weitere Tonleiter mit 8 Tönen von E1-E2. Das ist der dritte Modus: E phrygisch.

Dieser Modus ist dem Moll sehr ähnlich, doch die zweite verminderte Tonleiterstufe lässt sofort einen Unterschied entstehen.

3_E_Phrygian_Mode

Der charakteristische zweite moll-Intervall hat einen erkennbaren Sound. Der zweite Akkord der Akkordfolge am Anfang von “Pyramid Song” von Radiohead basiert auf der verminderten phrygischen zweiten Stufe:

Der lydische Modus

Der lydische Modus ist der vierte Modus in der Reihe. Wenn du den nächsten Ton in der Tonart schreibst, erhältst du F lydisch.

Wir mögen diesen Modus so sehr, dass wir einen kompletten Artikel darüber geschrieben haben.

4_F_Lydian_Mode

In “Bull in the Heather” von Sonic Youth kommt die erhöhte vierte Tonleiterstufe des lydischen Modus in der Gitarrenmelodie der Strophe vor:

Der mixolydische Modus

An fünfter Stelle kommt der mixolydische Modus. Wenn du damit weitermachst, die nächste Tonleiterstufe zuschreiben und die erste zu entfernen, erhältst du G mixolydisch.

Der mixolydische Modus weist aufgrund der verminderten siebten Stufe einige Eigenschaften der “Blues-Tonleiter” auf.

5_G_Mixolydian_Mode

Hör ihn dir in der Sitar-/Vocal-Melodie von “Norwegian Wood” von den Beatles an:

Der aeolische Modus

Der sechste Modus ist der aeolische Modus. Wenn du dich weiter die Tonleiter hinaufbewegst, kommst du zu A aeolisch.

Dieser Modus wird auch Natürlich Moll genannt, da er eine moll-Tonleiter ohne die erhöhte sechste oder siebte Stufe des melodischen oder harmonischen Moll ist.

Der aeolische Modus ist der Standard-Moll-Klang in der Popmusik, dementsprechend ist er so ziemlich überall in der Musikgeschichte zu finden.

6_A_Aeolian_Mode

R.E.M haben den aeolischen Modus für “Losing my Religion” verwendet.

Da wir so sehr an das natürliche Moll gewohnt sind, fällt es uns schwer, die charakteristischen Intervalle des Modus zu erkennen. Halte in diesem Fall einfach die Ohren nach dem V-Akkord offen.

Wenn dieser ein moll-Akkord ist, liegt der aeolische Modus vor.

Der lokrische Modus

Der lokrische Modus ist der siebte Modus. Er wird viel seltener benutzt als die anderen Modi, dementsprechend gibt es nicht wirklich viele Beispiele.

Doch das heißt nicht, dass er es nicht wert ist, anhand der Methoden, die du bereits im Rest dieses Artikels gelernt hast, erkundet zu werden.

7_B_Locrian_Mode

Die übergeordnete Tonleiter: Wie man Modi findet

Du hast soeben gelernt, wie man Modi anhand der übergeordneten Tonleiter bildet. Damit kannst du jeden Modus bilden, solange du seine Nummer in der Reihe kennst.

Zähle einfach rückwärts zur übergeordneten Dur-Tonleiter, um die Struktur des Modus zu bestimmen.

Zähle einfach rückwärts zur übergeordneten Dur-Tonleiter, um die Struktur des Modus zu bestimmen.

E aeolisch zum Beispiel? Der aeolische Modus ist der sechste Modus. Welche Dur-Tonleiter hat E als sechste Stufe?

Korrekt, das ist G. E aeolisch ist einfach die aus 8 Tönen bestehende Tonleiter, die mit E beginnt, wieder bei E aufhört und über die gleiche Formel wie G-Dur verfügt.

Ich wiederhole: Um mit Modi arbeiten zu können, ist es unabdingbar, dass du deine Grundtöne kennst. Der Quintenzirkel ist dementsprechend ein hilfreiches Tool, wenn du mit Modi arbeitest.

Sobald du erst einmal die Methode der übergeordneten Tonleiter verinnerlicht hast, um die Modi zu bekommen, wirst du schnell Muster erkennen.

Und damit kommen wir zur alternativen Methode, um sich Modi zu merken…

Tonleiter-Formeln

Ich bin mir sicher, dass du festgestellt hast, dass die Modi einige Ähnlichkeit mit der Dur- und moll-Tonleiter haben.

Wenn du weißt, ob ein Modus generell Dur oder moll, kannst du dir einfach merken, welche Töne von der Schablone abweichen. Das ist die Methode der “Tonleiter-Formel”, mit der man sich Modi merken kann.

Hier sind die Formeln für die Kirchentonarten:

  • Ionisch – Dur (keine abweichenden Noten)
  • Dorisch – moll + natürliche sechste, verminderte siebte
  • Phrygisch – moll + verminderte zweite, verminderte sechste, verminderte siebte
  • Lydisch – Dur + erhöhte vierte
  • Mixolydisch – Dur + verminderte siebte
  • Aeolisch – moll + verminderte sechste, verminderte siebte

Sagen wir zum Beispiel wir wollen A lydisch spielen. Wir erinnern uns, dass der lydische Modus ein “Dur”-Modus ist, weshalb wir mit der Tonleiter-Formel für A-Dur beginnen: F#, C#, G#.

Wir wissen, dass der lydische Modus eine erhöhte vierte Stufe enthält, daher können wir unserem “Grundton” einfach D# hinzufügen, um den Modus zu bilden.

Jetzt da du die Tonleiter-Formel-Methode kennst, kannst du versuchen, jeden einzelnen Modus zu C zu transponieren und ihn dann über den korrespondierenden C-Dur- oder -moll-Akkord zu spielen.

Das hilft dabei zu verstehen, was die Modi voneinander abhebt.

C_Modes GIF

Es mag sein, dass du die Tonleiter-Formel-Methode um einiges schneller und einfacher findest, doch die Methode der übergeordneten Tonleiter zahlt sich später aus, wenn du ein paar fortgeschrittenere Modi erkundest.

Wie du Modi für deine eigene Musik verwendest

Falls du die verschiedenen Modi bereits durchgespielt hast, bekommst du bestimmt langsam aber sicher ein Gefühl dafür, wie sie sich anhören.

Visualisiere dir in der Praxis die Modi wie Farben auf einem Spektrum von dunkel zu hell.

Visualisiere dir in der Praxis die Modi wie Farben auf einem Spektrum von dunkel zu hell.

Generalisiert gesprochen:

  • Modi mit mehr verminderten Tonleiterstufen bzw. bs sind dunkler.
  • Modi mit mehr erhöhten Tonleiterstufen bzw. Kreuzen sind heller.

Dieser Grundsatz liefert dir eine gute Abkürzung, um herauszufinden, wie Modi in dein Songwriting passen. Du brauchst etwas, das noch dunkler klingt als moll? Der phrygische Modus kann da Abhilfe schaffen.

Du bist auf der Suche nach etwas besonders Hellem und Erhöhten? Der lydische Modus ist da eine gute Wahl.

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Es kann gut sein, dass du deine ganz eigenen Assoziationen entwickelst, wenn du dabei bist, die Modi zu lernen, dabei gibt es keine falschen Antworten!

Heißer Tipp: Falls du bisher besonders aufmerksam mitgemacht und dir die Beispiele gut angehört hast, ist dir vielleicht aufgefallen, dass manche Songs die für die Modi charakteristischen Intervalle in der Melodie enthalten, andere wiederum in der Harmonie.

Du brauchst etwas, das noch dunkler klingt als moll? Der phrygische Modus kann da Abhilfe schaffen.

Du kannst mit Modi auch Akkorde bilden, wie wir es zuvor mit den Dur- und moll-Tonleitern gemacht haben, doch das ist ein komplett neues Thema für ein anderes Mal! To be continued…

Modus Operandi

Modi können beim Songwriting den entscheidenden Unterschied machen.

Die Modi der Dur-Tonleiter finden sich überall in der Musikgeschichte. Sobald du ihren jeweiligen Klang identifizieren kannst, werden sie dir in all deinen Lieblingssongs auffallen.

Sie öffnen außerdem die Tür zu anderen Methoden. Wenn du erst einmal die Kirchentonarten gemeistert hast, werden sich deine Ohren nach neuen Farben und Stimmungen sehnen.

Falls du die hier vorgestellten Methoden zum Bilden und Einprägen von Modi kennst, solltest du sie alle ausprobieren! Denn dein Songwriting-Werkzeugkasten kann nie voll genug sein.

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Annika Wegerle

Annika liebt verquere Geschichten und schillernde Figuren. Sie schreibt über Musik und alles, was sie sonst in die Finger bekommt.

@Annika Wegerle

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