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Hinter der Konsole: 10 Toningenieurinnen, die die Spielregeln verändern

Hinter der Konsole: 10 Toningenieurinnen, die die Spielregeln verändern

Wir werfen einen Blick auf die Frauen hinter den Konsolen.

In Hinblick auf Jobs auf dem Gebiet der Tontechnik müssen Frauen häufig doppelt so hart arbeiten.

Nicht weil sie weniger qualifiziert wären, sondern weil ihr Talent und Können in der nach wie vor überwiegend aus Männern bestehenden Szene der Musikproduktion gerne mal von vornherein angezweifelt wird.

Historisch betrachtet wurden Frauen lange Zeit aus technischen Jobs im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften & Technik) ausgeschlossen oder entmutigt, darauf hinzuarbeiten. Wenn sie es dann doch schaffen, gelten für sie häufig höhere Standards, und sie müssen regelmäßig ihren Wert unter Beweis stellen.

Doch die Zeiten ändern sich langsam. Wie können wir weiterhin auf ein Gleichgewicht hinarbeiten und dort Anerkennung geben, wo Anerkennung gebührt?

Wir stellen euch Frauen vor, die außergewöhnliche Arbeit leisten – es gibt sie und sie lassen es über alle Genres hinweg krachen. Lass den Frauen, die hinter den Kulissen und auf der Buhne im Bereich der Musikproduktion arbeiten, Anerkennung zukommen. Behandle deine weiblichen Kolleginnen in der Musikindustrie mit Respekt – stelle ein kollegiales Umfeld her. So können wir bewirken, dass eine neue Generation an Frauen sich in Tontechnik-Studiengänge einschreibt und die Hits der Zukunft produziert.

Wir stellen euch die visionären Frauen vor, die hinter dem Sound von Jay-Z, Prince, Aphex Twin, Brian Eno, Jamie xx, Pearl Jam, Sia, Timbaland und vielen mehr stecken.

1. WondaGurl


Ebony Oshunrinde, auch bekannt unter dem Künstlernamen  WondaGurl, ist eine Beatmakerin und Produzentin aus Brampton, Ontario.

Mit 9 Jahren sah sie ein Video von Timbaland in seinem Studio, das sie dazu inspirierte, sich das Produzieren selbst beizubringen. Nachdem sie mit 16 den Wettbewerb Battle of the Beat Makers gewonnen hatte, schickte sie dem Rapper Travis Scott einen Beat. Ehe sie sich versah, rief der sie an, um ihr mitzuteilen, dass ihre Produktion auf dem nächsten Album von Jay-Z zu hören sein würde. WonderGurl ist eine der jüngsten Frauen, die je in den Credits eines Hip-Hop-Albums mit Platin-Status aufgelistet war – Jay-Zs Magna Carta:Holy Grail.

Doch sie ruht sich nicht auf ihren Lorbeeren aus. Sie ist Teil der Crew, die Rihannas “Bitch Better Have My Money” produziert hat, einen der Besten Tracks 2015. Sie hat zwei Alben von Travis Noah produziert: Rodeo und Birds in the Trap Sing McKnight. Außerdem hat sie SonRelas “Money Money” und “Odd Future” von Jahkoy produziert.

2. Susan Rogers

Ihren ersten Auftrag als Toningenieur hatte Susan Rogers 1983 für niemand anderen als Prince. Nachdem Prince von seiner Tour zurückgekehrt war, reparierte Rogers dessen Bandmaschine und brachte sein Studio auf Vordermann. Der Rest ist Geschichte. Sie arbeitete danach an Purple Rain, Around the World in a Day, Sign’O’The Times, The Black Album und mehr.

Rogers hat auch für andere MusikerInnen als Toningenieurin, Mischerin und Produzentin gearbeitet, darunter die Jacksons, Barenaked Ladies, Laurie Anderson, David Byrne, Violent Femmes und vielen mehr.

In den letzten Jahren hat sie außerdem ihren Traum, Wissenschaftlerin zu werden, verwirklicht und an der McGill University (Montreal, Kanada) in Musikpsychologie und Psychoakustik promoviert. Sie forscht auf dem Gebiet des auditiven Gedächtnisses. Mittlerweile lehrt sie am Berklee College of Music, wo sie das Berklee Music Perception and Cognition Laboratory leitet.

3. Mandy Parnell

Die britische Mastering-Ingenieurin Mandy Parnell bekommt regelmäßig Besuch von den Chemical Brothers, Max Richter und Brian Eno, wenn diese den absoluten Feinschliff für ihre Alben benötigen.

Der Weg dorthin war nicht leicht für Parnell. Nachdem sie als junges Mädchen von zu Hause weggerannt war, lebte sie eine Zeit lang auf der Straße. Eines Tages nahm ein Freund sie mit an seinen Arbeitsplatz: The Manor, das Studio von Richard Benson in Oxford. Sofort wusste sie, dass sie den Rest ihres Lebens hinter der Konsole verbringen will.

Die Liste der Werke, an denen sie mitgearbeitet hat, ist absolut beeindruckend: Syro von Aphex Twin, In Colour von Jamie xx, Vulnicura von Björk, Love Streams von Tim Hecker, Metals von Feist, Drums Between the Bells von Brian Eno, Coexist von The xx, und noch so einigen mehr. Parnell betreibt ihre eigenes Mastering-Studio namens Black Saloon Studios.

4. Shani Gandhi

Shani Gandhi wurde in Singapur geboren und wuchs in Australien auf. Als sie herausfand, dass es Tontechnik als Berufsfeld gibt, machte es für sie Klick. “Ich konnte somit mein Hobby mit meinem wissenschaftlichen Hintergrund verbinden”, erzählte sie The Tennessean. Sie machte ihren Abschluss am Performance and Sound Recording Technology from Ithaca College.

Wenn man sich anschaut, wer als IngenieurIn für Bluegrass- und Americana-MusikerInnen arbeitet, kann man davon ausgehen, ihren Namen zu finden. Dazu gehören solche KünstlerInnen wie Alison Krauss und Parker Millsap, aber auch einige Alben von Sarah Jarosz. Sie hat zudem Kelsea Ballerinis Hit “Peter Pan” gemischt.

Gandhi wurde fur ihre Arbeit an Sarah Jaroszs Album Undercurrent bei den Grammys 2017 für die Kategorie ‘Best Engineered Album’ nominiert. Weitere in der Kategorie nominierte Alben waren Blackstar von David Bowie und Hit N Run Phase Two von Prince.

5. Karrie Keyes

Karrie Keyes ist seit mehr als 20 Jahren die Monitor-Mischerin von Pearl Jam. Was ist eine Monitor-Mischerin? Die Person, die den Sound der Monitore für Live-Auftritte einstellt.

Uber Jahre hinweg hat Keyes das Design des Monitor-Systems so angepasst, dass die Band exakt genau das hört, was sie möchte.

Als Teenagerin war Keyes Punk-Fan und besuchte immens viele Konzerte. Auf einem Konzert von Black Flag machte sie die Bekanntschaft eines Toningenieurs, der sie mit einem Auftrag versorgte.

Was sie stets antreibt, sind ihre regelmäßigen Reisen sowie ihre Leidenschaft für Sound. Was sie aus all dem mitgenommen hat? “Alle hatten eine Mentorin oder einen Mentor, jemanden, die oder der einem den Weg gewiesen hat”, erzählte sie NPR. Keyes ist die Mitbegründerin der Organisation Sound Girls, die dabei hilft, Frauen auf dem Gebiet der Audioproduktion auszubilden und zu unterstützen.

6. Melbeatz

Die deutsche Produzentin Melanie Wilhelm, auch bekannt unter dem Pseudonym Melbeatz , ist in der Graffiti-Szene des Berlins der 80er und 90er Jahre aufgewachsen. Ihre Liebe zur Musik entwickelte sich beim Anhoren der Mixtapes von Grandmaster Flash sowie auf Erkundungsreisen in den USA. Als sie Kool Savas traf, machte sie sich mehr und mehr mit Hardware-Samplern vertraut.

Ihre Beats schafften es auf die Alben von Shadow, Fuat und Kool Savas. 2004 produzierte sie das Album Rapper’s Delight, auf dem deutsche und amerikanische Rapper wie Mobb Deep, Ol’ Dirty Bastard und Tha Liks vertreten waren. Es beinhaltete zudem den Track “Oh Oh”, auf dem der junge Kanye West zu ihren Beats rappt.

Ihr Rat? “Man kann immer nur produzieren, produzieren, produzieren. Wenn man wirklich Teil der Szene werden möchtest, schafft man es irgendwann auch”, erzählte sie Broadly.

7. Crystal Caines

Die Harlem-Produzentin Crystal Caines steckt hinter den frühen Hits von A$AP Ferg. Beide verbindet eine tiefe Beziehung, die die gewöhnliche Dynamik weibliche Sängerin/männlicher Produzent verkehrt hat. Sie hat an “Work” von A$AP Mobs Mixtape Lords Never Worry und “Shabba” von Fergs Trap Lord mitgearbeitet.

Caines hat mit ihrem Produktions-Trio The Understudy Tracks fur T.I, Wale, B.O.B und Maino produziert.

Derzeit arbeitet Crystal Caines an ihren eigenen Tracks, veröffentlicht Alben und arbeitet mit Kolleginnen wie Trakgirl und WondaGurl zusammen.

Ihre Vision? “Ich konzentriere mich darauf, Neues statt Altem zu schaffen… ich will die Kultur voranbringen, indem ich bin, wie ich bin”, erzählte sie  HipHopDX.

8. Marcella Araica

Marcella Araica gehört zu der auserwählten Crew an ProduzentInnen, MischerInnen und ToningenieurInnen, mit denen Timbaland regelmäßig zusammenarbeitet.

Sie hat fur Missy Elliott, The Notorious B.I.G., die Pussycat Dolls, Nelly Furtado, Britney Spears und noch vielen mehr gearbeitet.

Araica studierte Audio Engineering in Florida, bevor sie ein Praktikum in der Hit Factory in Miami machte und sich zur Position der assistierenden Ingenieurin hocharbeitete. Das Treffen mit Missy Elliott und Timbaland war ihr großer Durchbruch. Der Ingenieur und Mischer Demacio ‘Demo’ Castelleon nahm sie unter seine Fittiche und wurde zu ihrem Mentor.

Arcaia erzählte Sound on Sound: “Aufnehmen ist eine eigene Kunst, doch das Mischen ist genau meins. Als Praktikantin bin ich immer in die Studios geschlichen, als sie gerade nicht benutzt wurden, und habe so ziemlich alles geschraubt und gedreht, was ging. Ich habe einfach geübt, geübt, geübt. Später habe ich mir das Ganze dann im Auto angehört und daraus gelernt.” Mitschreiben!

9. Trina Shoemaker

Trina Shoemaker ist eine Toningenieurin, Albenproduzentin und Mixing-Ingenieurin und bereits dreimalige Grammy-Gewinnerin.

Nachdem sie bei Daniel Lanois in die Lehre ging (große Namen: U2 und Brian Eno), erhielt sie ihren ersten Grammy 1998 fur Best Engineered Album für The Globe Sessions von Sheryl Crow.

Von da an arbeitete Showmaker eng mit Sheryl Crow zusammen und hat praktisch deren komplette Diskografie gemischt.

Sie hat außerdem viele Alben von Queens of the Stone Age, Shakira, Joe Cocker, Nanci Griffith und unzähligen mehr produziert und gemischt.

10. Emily Lazar

In Hinblick auf Grammys war Lazar definitiv eine Wegbereiterin für Frauen im Mastering-Bereich. Sie war als erste weibliche Ingenieurin nominiert für:

  • Album des Jahres 2012 für Wasting Light von den Foo Fighters
  • Aufnahme des Jahres 2015 für Chandelier von Sia
  • Best Engineered Album 2016 für Recreational Love von The Bird And The Bees

Lazar besitzt und leitet ein Mastering-Studio in New York City mit dem Namen The Lodge. SSie hat an über 2000 Alben mitgearbeitet, unter anderem für David Bowie, Sonic Youth, Coldplay, Madonna, Lou Reed, Sia und vielen mehr.

Wenn sie gerade nicht damit beschäftigt ist, Hit-Alben 1A Sound zu verpassen, spricht sie regelmäßig an Colleges, um mehr junge Leute, vor allem Frauen, zu inspirieren, eine Karriere auf dem technischen Gebiet der Musik anzustreben.

Die Zeiten ändern sich

Es ist ziemlich offensichtlich, dass es haufenweise Frauen in der Musikszene gibt, die es auf der Bühne krachen lassen. Man hört jedoch viel weniger von Frauen, die hinter den Kulissen die technische Arbeit verrichten.

Wenn man die Welt der nach wie vor männerdominierten Audioproduktion aufmischen will, muss man damit anfangen, die fantastische Arbeit hervorzuheben, die Frauen auf diesem Gebiet jeden Tag leisten. Diese Frauen sind Beispiele, zu denen die nächste Generation an Frauen aufblicken kann. Ihnen wird so vermittelt: auch
du kannst das sein.

Die Nachricht ist eindeutig: Frauen haben auf diesem Gebiet sowohl vor als auch hinter den Mischkonsolen viel beigetragen. Wir wollen mehr von ihnen hören!

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Annika Wegerle

Annika liebt verquere Geschichten und schillernde Figuren. Sie schreibt über Musik und alles, was sie sonst in die Finger bekommt.

@Annika Wegerle

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